Ein Programm der Europäischen Union / MEDIA Desk und Antennen in Deutschland

Ich habe sie geliebt

Start: 6.8.2009

Eine frisch verlassene Frau und ein alternder Mann, der seine große Liebe aus Feigheit verloren hat: Die kammerspielhafte Konfrontation von zwei unterschiedlichen Schicksalen in einem abgelegenen Berghaus hatte die französische Erfolgsautorin Anna Gavalda in ihrem ersten, stark autobigrafischen Roman «Ich habe ihn geliebt» beschrieben. Die Schauspielerin Zabou Breitman machte schon in ihren ersten beiden Filmen als Regisseurin und Drehbuchautorin durch eine ungewöhnliche Sicht auf die Liebe und Beziehungen auf sich aufmerksam. Jetzt setzt sie Anna Gavaldas persönlichen Bestseller in ihrer eigenen Handschrift für das Kino um und bereichert sie um einige Nuancen. Sensibel, humorvoll, und mit sicherer Hand für das Tragische lässt sie den Ich-Erzähler des Melodrams zu Wort kommen: Seine Erinnerungen werden wach und Bilder aus glücklichen Zeiten leben auf. Breitman findet die richtige Distanz, den authentischen Ton, die nötige Schärfe um eine Geschichte einer großen Liebe zu filmen, die um Schuld, männliche Feigheit und das verpasste Glück kreist.
Mit fliessenden Übergängen zwischen Vergangenheit und Gegenwart schält sie die Etappen einer ungewöhnlichen, amourösen Begegnung heraus und trotz des tragischen Themas überrascht der Film immer wieder mit neuen Wendungen. So wird aus dem anfänglichen Porträt einer verlassenen Frau die bewegende Lebensbeichte eines Mannes, der seine falsche Entscheidung bereut.
Getragen wird der Film von einem überragenden Schauspiel-Ensemble: Rührend, wie der von Daniel Auteuil mit innerer Intensität gespielte Pierre aus seiner bürgerlichen Routine erwacht, in der Liebe zu Mathilde aufblüht, sich selbst belügt und schließlich daran zerbricht, als er das Glück vorbeiziehen lässt, weil ihm der Mut zu einem Neuanfang fehlt. Mitreissend, wie Marie-Josée Croze die ihn liebende Mathilde mit einer schonungslosen Offenheit, radikal, fordernd und sanft zugleich verkörpert. Ermutigend, wie Florence Loiret Caille als Chloé unter ihrer Trennung leidet, aber durch Pierres flammendes Plädoyer auf die Liebe wieder Geschmack am Leben findet. Durch die starke Präsenz der drei Hauptdarsteller und eine vielschichtige und lebensnahe Inszenierung steigert sich der Film zu einer Hommage an die Leidenschaft. Breitman schafft eine mit leichter Hand erzählte, ungewöhnliche Liebesgeschichte und ein Melodram vom geteilten Schmerz über verlorenes Glück.

10.09.2009 | MEDIA Desk Deutschland